Was ist Decentralized Finance (DeFi)?

David Eggert
17/08/24
Decentralized Finance (DeFi) beschreibt ein Finanzsystem, das auf einer Blockchain basiert und ohne traditionelle Banken auskommt. Hierbei werden Finanzdienstleistungen wie Kredite, Zinsen, Spekulation und Handel mit Kryptowährungen direkt zwischen Nutzern abgewickelt.
Das Ganze funktioniert durch sogenannte Smart Contracts – selbst ausführende Verträge auf der Blockchain, die alle notwendigen Bedingungen und Regeln enthalten. Dadurch behält man selbst die volle Kontrolle über sein Geld und kann Finanzgeschäfte ohne Mittelsmänner wie Banken oder andere Finanzinstitute durchzuführen.
DeFi-Anwendungen
DeFi bietet eine Vielzahl von Anwendungsfällen, die weit über das einfache Halten von Kryptowährungen hinausgehen. In diesem Abschnitt werfen wir einen Blick auf die gängigsten dApps und Protokolle und ihre aktuellen Renditen.[1]
Protokolle in DeFi sind spezielle Regelwerke oder Programme, die festlegen, wie bestimmte Finanztransaktionen oder Prozesse ablaufen sollen. DApps, kurz für dezentrale Applikationen, sind Anwendungen, die auf diesen Protokollen basieren und es den Nutzern ermöglichen, diese Finanzdienstleistungen direkt zu nutzen, ohne auf zentrale Instanzen angewiesen zu sein.
Stablecoins
Eine der ersten Innovationen im DeFi-Bereich waren die sogenannten Stablecoins. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um Kryptowährungen, die im Gegensatz zu Bitcoin und Co. im Preis stabil bleiben sollen. Das wird erreicht, indem ihr Wert an eine bekannte Währung wie den US-Dollar oder den Euro gekoppelt ist.
Man nennt das auch „peg“, was so viel wie „Klammer“ bedeutet. Diese Kryptowährungen sind also „gepegged“ an den Dollar, Euro, Yen oder sogar an Rohstoffe wie Gold. Das Ziel: Sie sollen die Vorteile von Kryptowährungen bieten, ohne die extreme Preisschwankungen.
Aktuell gibt es über 100 verschiedene Stablecoins. Einige der bekanntesten und mit der aktuell höchsten Marktkapitalisierung findest du zusammen mit den möglichen Zinsen in der folgenden Tabelle.
| Stablecoin | Peg | Marktk. | Zinsen | Wo? |
|---|---|---|---|---|
Tether | US-Dollar | 110 Mrd. $ | 5 – 8 % | AAVE |
USDC | US-Dollar | 32 Mrd. $ | 7 – 11 % | Compound |
Dai | US-Dollar | 5 Mrd. $ | 8 – 11 % | Spark |
USDe | US-Dollar | 3 Mrd. $ | 20 – 28 % | Ethena |
USDD | US-Dollar | 700 Mio. $ | 6 – 7 % | JustLend |
Frax | US-Dollar | 600 Mio. $ | 17 – 20 % | Vesper |
EURS | Euro | 125 Mio. $ | 3 – 5 % | AAVE |
crvUSD | US-Dollar | 110 Mio. $ | 21 – 24 % | Pendle |
Staking
Staking bedeutet, dass du deine bereits erworbenen Kryptowährungen auf der jeweiligen Blockchain anlegst, um dafür Zinsen zu erhalten. Dafür wählst du einen sogenannten Validator aus, bei dem du deine Coins hinterlegst. Als Belohnung bekommst du regelmäßig einen Zins ausgezahlt.
Validatoren unterstützen das Netzwerk, indem sie an Abstimmungen teilnehmen und so die Entwicklung der Blockchain mitbestimmen. Je mehr Coins ein Validator hält, desto größer ist sein Stimmrecht, auch als Stake bezeichnet. Stell dir das vor, wie unterschiedliche Parteien, denen du deine Stimme in Form von Coins gibst. Diese „Parteien“ entscheiden dann über die zukünftige Ausrichtung der jeweiligen Blockchain.
Das Beste daran: Deine gestakten Coins bleiben immer in deinem Besitz. Es wird lediglich vermerkt, dass du sie für eine bestimmte Zeit bei einem Validator hinterlegt hast.
Heutzutage sind die meisten Blockchains so aufgebaut, dass du deine Coins staken kannst. Hier ist eine Auswahl der bekanntesten Coins mit ihren jährlichen Staking-Zinsen, ihrer Inflation und den daraus resultierenden realen Zinsen.
| Blockchain (Coin) | Anteil Staking | Inflation | Zinsen | Reale Zinsen |
|---|---|---|---|---|
Ethereum (ETH) | 27 % | 0,6 % | 3,6 % | 3 % |
Solana (SOL) | 64 % | 5,8 % | 7,2 % | 1,4 % |
Cardano (ADA) | 65 % | 2,4 % | 3 % | 0,6 % |
Avalance (AVAX) | 58 % | 5,1 % | 8 % | 2,9 % |
Polygon (MATIC) | 37 % | 2 % | 5 % | 3 % |
Tron (TRX) | 50 % | -3 % | 4,2 % | 7,2 % |
Polkadot (DOT) | 57 % | 8,7 % | 11,5 % | 2,8 % |
Cosmos Hub (ATOM) | 63 % | 11,9 % | 17 % | 5,1 % |
NEAR (NEAR) | 49 % | 5 % | 9,2 % | 4,2 % |
Algorand (ALGO) | 22 % | 1 % | 4,7 % | 3,7 % |
Toncoin (TON) | 23 % | 17 % | 3 % | -14 % |
Akash (AKT) | 55 % | 19,1 % | 20,8 % | 1,7 % |
Liquid Staking
Im Jahr 2020, als man begann, seine Ether zu staken, gab es ein großes Problem: Ethereum befand sich mitten im Übergang von Proof-of-Work zu Proof-of-Stake. Das bedeutete, dass alle gestakten Ether für eine unbestimmte Zeit eingefroren wurden, bis der gesamte Prozess abgeschlossen war. Niemand wusste genau, wann das sein würde, oder ob der Übergang überhaupt reibungslos verlaufen würde.
Um dieses Problem zu lösen, kam man auf die Idee, gestakte Coins weiterhin nutzbar zu machen, also sie gewissermaßen liquide zu halten. Die Lösung war, dass man nach dem Staking seiner Ether einen Nachweis in Form eines Tokens erhielt, der bestätigte, dass man die Coins gestakt hatte. Dieser Token konnte dann in anderen Anwendungen genutzt werden.
Diese Innovation führte zur Entwicklung von immer mehr Liquid Staking-Produkten. Die größten und bekanntesten davon sind:
| Protokoll | TVL | Staked Asset | Zinsen |
|---|---|---|---|
Lido | 34 Mrd. $ | stETH | 3,3 % |
Rocket Pool | 4 Mrd. $ | rETH | 3 % |
Binance ETH | 3 Mrd. $ | WBETH | 3 % |
Jito | 1,7 Mrd. $ | JitoSOL | 8,1 % |
Mantle ETH | 1,7 Mrd. $ | mETH | 3,5 % |
Marinade | 800 Mio. $ | mSOL | 8 % |
FRAX Ether | 700 Mio. $ | frxETH | 3,4 % |
Stader | 650 Mio. $ | ETHx | 3,2 % |
Dezentrale Börsen (DEX)
Dezentrale Börsen, auch bekannt als Decentralized Exchanges (DEX), ermöglichen den Handel verschiedener Kryptowährungen, ähnlich wie zentrale Kryptobörsen wie Kraken, Bitvavo oder Coinbase.
Der große Unterschied liegt darin, dass man sich bei DEXs nicht anmelden oder identifizieren muss. Stattdessen verbindet man einfach sein eigenes Krypto-Wallet und kann sofort mit dem Handel beginnen. Wichtig dabei ist, dass man bereits Guthaben auf dem eigenen Wallet hat, um loslegen zu können.
| Börse (DEX) | TVL | Volumen (24h) | Max. Zinsen |
|---|---|---|---|
Uniswap | 6 Mrd. $ | 1,5 Mrd. $ | 6.000 % |
PancakeSwap | 2,2 Mrd. $ | 970 Mio. $ | 2.700 % |
Curve DEX | 2 Mrd. $ | 280 Mio. $ | 6.000 % |
Balancer | 1,1 Mrd. $ | 80 Mio. $ | 200 % |
Raydium | 900 Mio. $ | 100 Mio. $ | 1.000 % |
Aerodrome | 710 Mio. $ | 200 Mio. $ | 6.200 % |
SUN | 530 Mio. $ | 17 Mio. $ | 60 % |
Thorswap | 350 Mio. $ | 120 Mio. $ | 120 % |
Osmosis | 130 Mio. $ | 17 Mio. $ | 225 % |
Liquidity Mining
„Liquidity Mining“ bedeutet, dass du deine eigenen Coins als Liquidität für eine dezentrale Börse (DEX) zur Verfügung stellst. Anders als zentrale Börsen, die mit klassischen Orderbüchern arbeiten, wickelt eine DEX Transaktionen über die Blockchain ab, häufig auf Ethereum. Dadurch wird die Liquidität auf diesen Plattformen von den Nutzern selbst bereitgestellt, die dann zu Liquidity Providern (LP) werden.
Das Prinzip ist einfach: Du legst deine Kryptowährungen in sogenannte Pools der Börse ein und erhältst im Gegenzug eine Belohnung in Form von Zinsen. Diese Pools bestehen meist aus zwei verschiedenen Coins, die in einem bestimmten Verhältnis, oft 50/50, hinterlegt werden.
| Börse (DEX) | Pool | TVL | Zinsen |
|---|---|---|---|
Uniswap | BTC / ETH | 320 Mio. $ | 10,8 % |
Curve DEX | ETH / stETH | 240 Mio. $ | 1,6 % |
Thorswap | BTC / RUNE | 117 Mio. $ | 10 % |
Aerodrome | ETH / USDC | 66 Mio. $ | 21 % |
Balancer | rETH / ETH | 63 Mio. $ | 2 % |
Orca | SOL / USDC | 14 Mio. $ | 86 % |
PancakeSwap | USDT / BNB | 9 Mio. $ | 13 % |
Osmosis | ATOM / OSMO | 8 Mio. $ | 6 % |
Trader Joe | AVAX / USDC | 7 Mio. $ | 130 % |

Muss man wissen
Abgesehen von den bekannten Risiken gibt es ein weiteres Problem beim Liquidity Mining, den sogenannten Impermanent Loss. Was das genau ist, erfährst du später bei den DeFi-Risiken.
Wenn du also planlos investierst, stehst du am Ende mit einem Haufen wertloser Scheißcoins da, denn 99 % der Pools (Überraschung!) sind nicht nachhaltig und eher Ponzi-Systeme als alles andere.
Lending & Borrowing
Unter Lending und Borrowing versteht man das Verleihen (lend) oder Leihen (borrow) von Kryptowährungen. Dabei wird, wie bei einem klassischen Kreditgeschäft, ein Zins fällig.
Also nichts anderes, als wenn man die eigene Kohle zur Bank bringt und die Bank dann jemanden anderes einen Kredit für sein Eigenheim auf Pump in der Pampa gewährt. Außer, dass keine Bank mehr dafür benötigt wird. Das führt auch zu den vergleichsweise hohe Renditen, die man auf sein Geld bekommt.
| Protokoll | TVL | Max. Zinsen |
|---|---|---|
AAVE | 13 Mrd. $ | 16 % |
JustLend | 6,7 Mrd. $ | 15 % |
Spark | 3 Mrd. $ | 8 % |
Compound | 2,4 Mrd. $ | 11 % |
Venus | 2 Mrd. $ | 26 % |
Morpho | 1,9 Mrd. $ | 38 % |
Kamino Lend | 1 Mrd. $ | 15 % |
Fluid | 400 Mio. $ | 18 % |
Solend | 280 Mio. $ | 15 % |
Kava Lend | 80 Mio. $ | 25 % |
Yield Farming
Yield Farming bedeutet auf Deutsch so viel wie „Zinsen ernten“, und genau das versuchen diese sogenannten Farmer auch – allerdings auf ziemlich komplexe Weise. Im Gegensatz zu einfachem Liquidity Mining oder Lending & Borrowing kombiniert Yield Farming verschiedene DeFi-Anwendungen, um die maximale Rendite herauszuholen.
Ein typisches Beispiel: Ein Yield Farmer hinterlegt seine Coins auf einer Plattform und nimmt dafür einen Kredit auf (Lending & Borrowing). Die geliehenen Coins werden dann auf einer anderen Plattform wieder hinterlegt, um dort Zinsen zu kassieren (Liquidity Mining).
Das Problem? Yield Farming ist eines der risikoreichsten Dinge, die du im Kryptospace machen kannst. Indem du verschiedene Anwendungen kombinierst, multiplizierst du auch dein Risiko. Wenn eine Plattform in deiner Anlagekette ausfällt, verlierst du möglicherweise auch auf den anderen Plattformen deine Coins.
Yield Aggregator
Ein Yield Aggregator ist eine praktische Lösung für alle, die Zinsen verdienen möchten, ohne sich selbst ständig darum kümmern zu müssen. Genau genommen ist es Yield Farming für Faule. Du hinterlegst einmal deine Coins auf der Plattform, und der Aggregator übernimmt den Rest. Er legt deine Coins automatisch in Liquidity Mining Pools an und sorgt dafür, dass du den größtmöglichen Ertrag erzielst. Dafür behält die Plattform natürlich einen kleinen Teil des Gewinns ein.
Der große Vorteil: Die Zinsen werden in den meisten Fällen automatisch wieder reinvestiert. So profitierst du ganz bequem vom Zinseszinseffekt, ohne dass du selbst ständig eingreifen musst.
| Yield Aggregator | TVL | Median Zinsen |
|---|---|---|
Yearn Finance | 290 Mio. $ | 14 % |
Beefy | 250 Mio. $ | 14 % |
Sommelier Finance | 71 Mio. $ | 7 % |
Yield Yak | 28 Mio. $ | 6 % |
Vesper | 24 Mio. $ | 6 % |
Idle Finance | 20 Mio. $ | 11 % |
Harvest Finance | 15 Mio. $ | 8 % |
Auch wenn einige Aggregatoren schon verdächtige Pools aussortieren, besteht hier immer noch ein enormes Risiko. Also unbedingt selbst informieren und Hirn einschalten.
Derivate
Derivate, abgeleitet vom lateinischen „derivare“ (ableiten), sind im Grunde nichts anderes als Scheine, die den Preis eines zugrunde liegenden Wertes nachbilden und als eigenständige Produkte gehandelt werden. Sie sind daher die besten Freunde für jeden degenerierten Spekulanten, denn mit Derivaten kannst du sowohl auf steigende Kurse (long) als auch auf fallende Kurse (short) setzen.
Aber es kommt noch besser: Mit Derivaten lässt sich auch ordentlich hebeln, also mögliche Gewinne vervielfachen. Wenn du also mal wieder in den falschen Coin investiert hast, kannst du mit einem geisteskranken 100er-Hebel bei einem 5 % Anstieg deinen Einsatz verfünffachen – oder eben bei einem 1 % Kursfall alles verlieren.
Folgende Arten von Derivaten gibt es:
| Protokoll | Arten | TVL |
|---|---|---|
Synthetix | Options, Perps, Synths | 570 Mio. $ |
GMX | Perps | 540 Mio. $ |
dYdX | Perps | 485 Mio. $ |
Jupiter | Perps | 410 Mio. $ |
Drift | Perps | 375 Mio. $ |
Alchemix | Synths | 56 Mio. $ |
Real World Assets (RWA)
Real World Assets, kurz RWAs, sind mittlerweile der neueste Trend in der Krypto-Szene. Die Idee dahinter ist, dass Vermögenswerte, die in der realen Welt bereits einen anerkannten Wert haben, auf die Blockchain gebracht und dort gehandelt werden.
Dabei kann es sich um verschiedene Arten von Vermögenswerten handeln, wie Immobilien, Rohstoffe, Unternehmensanteile oder sogar Kunstwerke. Ziel ist es, diese physischen Werte digital darzustellen und somit den Handel und die Verwaltung dieser Vermögenswerte effizienter und zugänglicher zu gestalten.
| Protokoll | TVL | RWA | Zinsen |
|---|---|---|---|
Staked USDT | 550 Mio. $ | US-Staatsanleihen | 4,6 % |
Ondo Finance | 480 Mio. $ | US-Staatsanleihen | 5,3 % |
Centrifuge | 290 Mio. $ | US-Staatsanleihen, Krypto, Immobilien | 4 – 15 % |
RealT | 105 Mio. $ | Immobilien | 6 – 20 % |
Hashnote | 100 Mio. $ | US-Staatsanleihen | 4,7 % |
Lofty | 31 Mio. $ | Immobilien | 1 – 40 % |
Versicherungen
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, die eigenen Kryptowährungen zu versichern. Also im Falle eines Verlustes, entsprechend entschädigt zu werden. Bei den Risiken und Hacks, die so häufig auftreten, klingt das vernünftig.
Versichert wird meistens ein bestimmtes Protokoll, also ein Anbieter, den man nutzt, um die eigenen Kryptowährungen anzulegen. Wie man es von traditionellen Versicherungen auch kennt: Es ist natürlich nicht alles und jedes Risiko versichert, sondern meist nur eine Schwachstelle im Smart Contract der Plattform.
| Versicherung | TVL | Kosten | Auszahlungen |
|---|---|---|---|
Nexus Mutual | 250 Mio. $ | 1 – 16 % | 5,7 Mio. $ |
InsurAce | 600 k $ | 5 – 15 % | 12,5 Mio. $ |
Unslashed | offline | – | – |
3F Mutual | offline | – | – |
Cover Protocol | offline | – | – |
Einige der Versicherungen sind bereits wieder von der Bildfläche verschwunden und es scheint auch sonst sehr wenig Kapital anzuziehen. Zwar haben einige der Versicherungen bei Hacks und anderen Skandalen ihr Nutzer ausgezahlt, allerdings sind Versicherungen im Verhältnis zu anderen Defi-Anwendungen relativ unbeliebt.
Meiner Erfahrung nach liegt das an dem hohen Risiko und den damit verbundenen hohen Versicherungskosten. Wenn ich zum Beispiel einen Stablecoin zu 8 % pro Jahre anlege, werde ich sicherlich nicht für 5 % eine Versicherung abschließen.
Wetten
Auch das Wetten auf bestimmte Ereignisse wie der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen oder des French Open Tennisturniers ist mittlerweile dezentral mit Kryptowährungen möglich.
Man kann einen bestimmten Betrag in Stablecoins (meist auf den US-Dollar) auf ein Ergebnis wetten. Je nach Quote kann man mehr oder weniger gewinnen oder halt den Einsatz verlieren.
| Wettanbieter | TVL | Gewinn |
|---|---|---|
Polymarket | 28 Mio. $ | 1 – 1.400 % |
Azuro | 8 Mio. $ | bisher nicht live |
Augur | offline | – |
Im Verhältnis zu anderen DeFi-Anwendungen haben Wetten so gut wie keine Bedeutung. Es gibt sie zwar, aber sie werden kaum genutzt. Das liegt vermutlich daran, dass Blockchain und Kryptowährungen weder für höhere Gewinne sorgen, noch den Prozess vereinfachen, eher das Gegenteil.
Lotterien
Lotto ist ja in Deutschland überraschenderweise sehr beliebt, obwohl die Chance auf 6 Richtige verschwindend gering ist. Da hat es ja nicht lange gedauert, dass jemand auch die ganze Sache auf den Kryptomarkt übertragen hat.
Der Clou an der dezentralen Variante: Man kann eigentlich nicht wirklich verlieren. Jeder Teilnehmer bekommt seinen Einsatz zurück, nachdem der Gewinner gezogen wurde. Aber wie funktioniert das?
Ganz einfach: Die eingesammelten Gelder werden während der Auslosungszeit angelegt, um Zinsen zu erwirtschaften. Sobald die Auslosung vorbei ist, erhält der Gewinner die gesamten Zinserträge. Verloren hat man also nur die Opportunitätskosten – also die Zinsen, die man selbst hätte einstreichen können, wenn man die Coins anderweitig angelegt hätte.
| Lotterie | TVL | Max. Gewinn |
|---|---|---|
PoolTogether | 8 Mio. $ | ~ 12.000 $ |
Fomo3D | offline | – |
Etheroll | offline | – |
Auch wenn Krypto-Lotterien deutlicher höhere Chancen auf einen Gewinn haben (ca. 1 zu 2 bis 1 zu 1.000 je nach Pool und Einsatz), werden sie kaum genutzt. Eigentlich ist mir nur ein aktiver Anbieter bekannt, dessen gesamtes Kapital (TVL) so gering ist, dass er fast unbedeutend ist.
Wie hat sich DeFi entwickelt?
2008
Bitcoin wurde bereits 2009 ins Leben gerufen (nach der Idee und Konzeption im Jahr 2008) und war der erste Schritt in Richtung einer dezentralen Finanzwelt. Doch obwohl Bitcoin revolutionär war, bot es keine Möglichkeit, komplexe Finanzdienstleistungen direkt auf der Blockchain abzuwickeln. Es war hauptsächlich als digitales Geld gedacht, ohne die Funktionalität, die für Dinge wie Kredite, Zinsprodukte oder Versicherungen notwendig wäre. Genau hier setzten andere Entwickler an und erkannten, dass mehr möglich sein könnte.
2015
Daher entstanden ab 2015 neue Blockchains wie Ethereum – eine Art Supercomputer, der dezentral Programmcode auf einer Blockchain ausführen kann, wenn man kleine Mengen an Ether oder ETH (der Kryptowährung von Ethereum) dafür zahlt. So wurden die ersten Finanzanwendungen gebaut, die komplett ohne Regulierung und Kontrolle funktionierten.
Nachdem 2017 die ersten Projekte wie MakerDAO und Uniswap die Basis für DeFi gelegt hatten, nahm die Entwicklung schnell Fahrt auf. Diese frühen Projekte zeigten, dass man Finanzdienstleistungen auch ohne Banken und andere Mittelsmänner anbieten konnte. Die Idee war simpel, aber revolutionär: Finanzen, die komplett über das Internet laufen, ohne dass eine zentrale Stelle die Kontrolle hat. Immer mehr Entwickler sprangen auf den Zug auf und schufen neue DeFi-Protokolle auf Ethereum.
2020
Dann kam der „DeFi Summer“ im Jahr 2020. In diesem Sommer explodierte die Beliebtheit von DeFi geradezu. Plötzlich floss eine riesige Menge an Geld in diese dezentralen Finanzprodukte. Was zuvor ein Nischenmarkt war, wuchs in wenigen Monaten auf Milliarden Dollar an. Einer der Gründe dafür war das sogenannte Yield Farming. Hier konnten Nutzer ihre Kryptowährungen in DeFi-Protokolle stecken und dafür Zinsen sowie zusätzliche Belohnungen in Form von Token bekommen. Klar, dass das viele Leute angezogen hat, die auf hohe Gewinne aus waren.
Auch neue Handelssysteme wie Uniswap wurden immer populärer. Diese ermöglichten es, Kryptowährungen direkt zu tauschen, ohne dass man eine Börse oder einen Mittelsmann brauchte. Dadurch wurde DeFi noch einfacher und attraktiver. Hinzu kamen sogenannte Governance Tokens, die Nutzern ein Mitspracherecht bei der Entwicklung der Projekte gaben. Diese Token wurden oft als Belohnung verteilt, was die Nachfrage weiter steigen ließ.
Heute
Der DeFi Summer 2020 war also ein Wendepunkt. Plötzlich war DeFi nicht mehr nur eine Spielerei für Technikfreaks, sondern eine echte Alternative zu traditionellen Finanzsystemen.
Der DeFi-Sektor hat 2024 umgerechnet fast 100 Milliarden an gebundenen Kapital, also Kryptowährungen, die in diesem Wert in den verschiedenen Produkten investiert sind.
Zum Vergleich:
Also auch, wenn DeFi aktuell nur etwa 0,25 % so viel Kapital binden konnte wie der Aktienmarkt oder nicht mal 1 % so viel wie Gold, hat sich DeFi ständig weiterentwickelt und ist heute ein wichtiger Teil der Krypto-Welt.
Allerdings ist DeFi hauptsächlich bekannt durch die vielen Produkte, die sehr hohe Renditen versprechen – also primär durch Spekulation.
Auf Deutsch gesagt: Niemand benötigte eine Erlaubnis oder Lizenz, um Apps zu bauen, die Leuten 100 % Rendite und mehr versprechen. Angelockt durch hohe Zinsen und das schnelle Geld, kann man sein Geld dort ohne Regulierung versenken, nur um dann festzustellen, dass man verarscht wurde. Und da es dezentral und pseudonym ist, weiß man nicht mal von wem.
Kleiner Scherz am Rande (am im Prinzip ist es so). Es gibt natürlich eine Vielzahl an revolutionären Anwendungen, die wirklich das Potenzial haben, die aktuelle Finanzindustrie gehörig zu „disrupten“, wie ein bekannter 10X-Investor sagen würde.
Wie funktioniert DeFi?
DeFi läuft über die Blockchain, wobei Bitcoin sozusagen die erste Evolutionsstufe war. Mit Bitcoin konnte man wunderbar Werte in Form von Bitcoins verschicken, ohne dass eine Bank dazwischen hängt – quasi digitales Geld. Aber mehr ging damit eben nicht.
Um mehr mit digitalem Geld anzustellen, etwa Kredite zu vergeben oder Geld zu leihen, brauchte es eine neue Lösung: programmierbares Geld. So entstand Ethereum, eine Blockchain, die nicht nur Geld verschickt, sondern auch als Computer fungiert. Hier zahlt man eine kleine Gebühr in Ether (ETH), um Programmiercode auszuführen, den sogenannten Smart Contracts.
Smart Contracts sind einfache Programme, die nach dem Prinzip „Wenn X, dann Y“ funktionieren. Zum Beispiel: Wenn ein Coin als Sicherheit hinterlegt wird, dann wird ein anderer Coin an eine bestimmte Adresse gesendet. So simpel das klingt, lassen sich damit schon sehr komplexe Anwendungen umsetzen, wie du bei den ganzen DeFi-Anwendungen weiter oben siehst.
Warum der Hype um Blockchain und Co.? Programme gibt es schließlich schon seit Ewigkeiten, und Webseiten bieten solche Dienste doch auch schon lange an, oder?
Der entscheidende Unterschied ist: Früher warst du immer auf Banken oder Unternehmen angewiesen, um Geld online zu verwalten und zu übertragen.
Mit Blockchains behältst du jedoch immer die Kontrolle über deine Kryptowährungen und kannst direkt mit den Anwendungen interagieren – ohne einen Mittelsmann, dem du vertrauen musst.
Welche Vorteile hat DeFi?
DeFi bietet eine Reihe von überzeugenden Vorteilen, die besonders für Krypto-Enthusiasten und Spekulanten interessant sind. Hier sind einige der wichtigsten Vorzüge, die DeFi so attraktiv machen:
Welche Nachteile hat DeFi?
Auch wenn DeFi viele Chancen bietet, bringt es auch einige erhebliche Nachteile mit sich. Bevor du dich also in die Welt der dezentralen Finanzen stürzt, solltest du dir der Risiken bewusst sein. Hier werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Nachteile von DeFi:
Welche Risiken birgt DeFi?
Wie du sicher siehst, gibt es unzählige neue Projekte im DeFi-Bereich. Da es keine wirksamen Beschränkungen gibt, entwickelt sich die Branche rasant in alle Richtungen.
Da es sich um Finanzprodukte handelt, die auch zum Teil an Millionen oder sogar Milliardenbeträge an Werten beinhaltet, lockt es leider auch diese zwei Arten von Menschen an:
Wenn die beiden Gruppen aufeinandertreffen, ist das Match perfekt. Die Schlagzeilen in den Medien lassen sich meistens auch auf diese Kombination zurückführen.
Es gibt aber im DeFi-Space auch unzählige ehrliche und fleißige Menschen und Anwendungen, die wirklich den traditionellen Finanzprodukten Konkurrenz machen könnte. Allerdings solltest du dich zuerst mit den Risiken vertraut machen. Daher findest du nachfolgend eine Zusammenstellung der bekanntesten Risiken in DeFi.
Harter Rug pull
Der Begriff „rug pull“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „den Teppich unter den Füßen wegziehen“. Damit wird eine übliche Betrugsmethode beschrieben, die besonders im Kryptobereich vorkommt, aber auch in anderen Bereichen Anwendung findet.
Bei einem Rug Pull werden ahnungslose Menschen durch verlockende Versprechen dazu gebracht, ihr Geld in ein Projekt zu investieren. Sobald die Betrüger ausreichend Kapital eingesammelt haben, ziehen sie den „Teppich“ weg, sprich: sie verschwinden plötzlich mit dem Geld der Investoren.

Ein großer Vorteil für die Betrüger im Kryptobereich ist die Möglichkeit, anonym zu bleiben. Gleichzeitig wird hier oft auf die Gier oder Unwissenheit der Leute gesetzt.
Ich habe selbst miterlebt, wie auf einem Discord-Server eines verdächtigen Projekts Menschen beschimpft wurden, die versuchten, andere vor einem möglichen Rug Pull zu warnen. Sie zeigten Screenshots des Programmcodes und legten Verbindungen der Entwickler zu früheren Rug Pulls offen. Zwei Tage später waren sämtliche Twitter-Accounts, der Discord-Server und die Website verschwunden – und mit ihnen das Geld.
Softer Rugpull
Während ein harter Rug pull sehr offensichtlich ist, weil die Kohle halt sofort weg ist, kann man einen soften Rugpull nicht so leicht erkennen. Hier gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, aber das Resultat ist immer identisch.
User haben am Ende einen ganzen Sack voller Scheißcoins, die komplett wertlos geworden sind oder nur noch einen Bruchteil dessen kosten, was sie dafür gezahlt haben.
Das Projekt wird nicht offiziell aufgegeben, sondern verläuft allmählich im Sande bis es keinen mehr juckt. Dementsprechend sinkt der jeweilige Coin des Projekts stetig im Preis.

Häufig werden Nutzer wie beim harten Rugpull mit Versprechen und Renditen angelockt, investieren in das Projekt und kaufen die Coins. Das geht sogar eine ganze Zeit lang gut, aber was die meisten nicht ahnen: Die Entwickler haben meistens die Mehrzahl der Coins des Projekts und verkaufen diese schrittweise, um sich zu bereichern. Wenn eines Tages das Interesse nachlässt und keiner mehr die Coins kauft, sinkt der Preis kontinuierlich gegen 0.
Ich würde behaupten, dass das hie häufigste Masche im Kryptobereich ist und so auch die meisten Projekte enden.
Hacks
In vielen DeFi-Protokollen sind mittlerweile Millionen oder sogar Milliarden an US-Dollar gebunden. Da wundert es nicht, dass Hacker unermüdlich versuchen, diese Beträge zu stehlen. Bisher wurde umgerechnet 6 Milliarden US-Dollar an Kryptowährungen durch Hacker entwendet.
Zu den bekanntesten Hacks in den vergangenen Jahren gehören:
| Hack | Betrag | Wann? |
|---|---|---|
| Ronin | 620 Mio. $ | März 2022 |
| Poly Network | 610 Mio. $ | Aug. 2021 |
| Binance Bridge | 570 Mio. $ | Okt. 2022 |
| FTX Hack | 450 Mio. $ | Nov. 2022 |
| Wormhole Exploit | 320 Mio. $ | Feb. 2022 |
| DMM Bitcoin | 305 Mio. $ | Mai 2024 |
| Euler Finance | 200 Mio. $ | März 2023 |
Schützen kannst du dich nicht wirklich. Zwar gibt es Versicherungen gegen Hacks, aber nicht für alle Anwendungen und meistens sind diese auch recht teuer. Es gehört mittlerweile zum Standard, dass seriöse DeFi-Anwendungen einen Security-Audit durch eine externe Firma durchführen lassen. Allerdings schützt das auch nicht zu 100 % vor Hacks.
Fehlkonstruktion
Ich nenne dieses Risiko mal „Fehlkonstruktion“, weil es zu keinem anderen Risiko passt und oft übersehen wird. Hierbei handelt es sich um grundlegende Fehler im Design des Projekts, die bewusst so geplant wurden, aber langfristig zu großen Problemen führen können. Es ist kein einfacher Bug, sondern eine Entscheidung, wie die Anwendung oder der eigene Token funktionieren soll.
Beispiele für solche Fehlkonstruktionen sind:

Impermanent Loss
Dieses Risiko ist den meisten nicht sehr geläufig und auch nicht ganz einfach zu verstehen. Ich versuche es mal so simpel wie möglich zu erklären:
Stell dir vor, du willst auf einer dezentralen Kryptobörse (DEX) Liquidität bereitstellen und dafür Zinsen kassieren – das nennt man Liquidity Mining. Dafür benötigst du immer zwei Coins, die du im Verhältnis 50:50 in den Pool einbringst. Es gibt auch andere Verhältnisse und Varianten mit mehr als zwei Coins, aber dieses Szenario ist das gängigste.
Du hast also 50 % von einem Coin und 50 % von einem anderen Coin, beide haben denselben Wert in diesem Verhältnis. Wenn sich jetzt der Preis von einem dieser Coins ändert, wird die Menge der Coins im Pool automatisch angepasst, um das 50/50-Verhältnis wiederherzustellen. Steigt der Preis eines Coins, benötigst du weniger von diesem Coin im Pool.
Das Problem? Bei starken Preisunterschieden zwischen den beiden Coins führt das dazu, dass du am Ende mehr von dem einen Coin und weniger von dem anderen hast. Ohne jetzt zu tief in die Mathematik einzutauchen: Das Ergebnis ist, dass du bei steigenden Kursen weniger Gewinn machst, wenn deine Coins in einem Liquiditätspool liegen.
Beispiel:
Du hast 500 € in Ether und 500 € in Bitcoin in einem Pool. Angenommen, plötzlich wird ein ETF auf Bitcoin zugelassen und der Preis steigt um 50 %, während Ether gleich bleibt.
Dann wären deine Coins im Pool etwa 1.225 € wert. Hättest du sie nicht im Pool gehabt, wären sie 1.250 € wert gewesen, also etwa 2 % mehr.
Der Begriff „Impermanent Loss“ bedeutet, dass dieser Verlust nicht endgültig ist, solange die Coins im Pool bleiben. Der Verlust wird erst realisiert, wenn du die Coins aus dem Pool nimmst. Es ist ein wenig wie eine alte Telekom-Aktie: Eigentlich bist du im Minus, aber solange du nicht verkaufst, hast du den Verlust nicht wirklich erlitten.
Quellen
[1] DefiLlama: Aktuelle Daten und Dashboards fast aller DeFi-Protokolle
[2] PwC Studie: Die nach Marktkapitalisierung 100 wertvollsten Unternehmen der Welt 2024
[3] World Gold Council: Gold Market Primer: Market size and structure
[4] The World Bank: The Global Findex Database 2021

Über den Autor
Hi, ich bin David und schreibe hier über meine eigenen Erfahrungen zum Thema Krypto, Blockchain und Bitcoin. Mehr erfährst du auf der „Über uns“-Seite.


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