Bitcoin Vorteile & Nachteile

David Eggert
30.07.2024
Kaum ein anderes Thema polarisiert so stark wie Bitcoin und seine Vor- und Nachteile. Das liegt vor allem daran, dass Bitcoin zahlreiche Fachgebiete vereint – von Ökonomie und Kryptografie über Netzwerktechnik und Spieltheorie bis hin zu Finanzen und Physik.
Was aus der Sicht des einen Fachbereichs ein klarer Vorteil ist, kann aus einem anderen Blickwinkel ein erheblicher Nachteil sein – und umgekehrt.
Viele Menschen haben zudem keine tiefere Kenntnis in keinem dieser Bereiche und plappern einfach nach, was sie irgendwo gelesen oder gehört haben – sei es in Zeitungen, im Fernsehen oder auf Social Media.
Deshalb schauen wir uns jetzt einmal so objektiv und fair wie möglich die häufigsten Vor- und Nachteile an, die Bitcoin besitzt.
Nachteile von Bitcoin
Geschwindigkeit & Skalierbarkeit
Bitcoin ist so gestaltet, dass eine Transaktion im Schnitt in 10 Minuten verarbeitet wird. Das ist der Idealfall. Bei starker Auslastung des Netzwerks können Transaktionen auch mal Stunden oder sogar Tage dauern.
Das führt dazu, dass Bitcoin als globales Zahlungsmittel nicht immer optimal funktioniert, da Transaktionen halt nicht schnell genug abgewickelt werden können. Warum das so ist und warum die Lösung nicht so einfach umzusetzen ist, erfährst du, wenn du dir die Funktionsweise von Bitcoin genauer anschaust.
Es gibt jedoch bereits einen Lösungsansatz: Bitcoin Lightning. Hier werden Zahlungen auf einer zweiten Ebene verarbeitet, die mit dem Hauptnetzwerk von Bitcoin kommuniziert. Allerdings ist die Sicherheit bei Lightning bei Weitem nicht so hoch wie bei Bitcoin selbst.1
Wenn man die Skalierbarkeit von Bitcoin objektiv beurteilt, muss man klar sagen, dass es als globales Zahlungsmittel oder Währung aufgrund der technischen Begrenzungen derzeit nicht geeignet ist.
Fairerweise trifft dieses Problem jedoch auf alle Kryptowährungen basierend auf Blockchains zu, nicht nur auf Bitcoin. Auch andere Netzwerke wie Ethereum haben bisher keine wirklich zufriedenstellende Lösung gefunden.
Komplexität
Wie viele Menschen, auch aus der jüngeren Generation, gibt es, die noch nie ihr Bankkonto gewechselt haben, obwohl sie dafür hohe Kontoführungsgebühren zahlen? Oder die nie ihre Krankenversicherungen oder Stromtarif wechseln, um so unkompliziert Geld zu sparen.
Die Gründe sind individuell, aber oft liegt es an der Faulheit, sich damit zu befassen, oder der Angst, etwas falsch zu machen. Dabei kann man das heute schon kinderleicht in einer freien Stunde am Sonntag machen und fertig ist der Braten.
Bei Bitcoin sieht die Sache etwas anders aus. Schon der Kauf ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, und spätestens bei der Verwahrung der eigenen Coins fangen die ersten richtigen Probleme an. Viele wissen nicht, wie Bitcoin funktioniert, was ein Wallet ist oder wie man seine Coins schützt. Kann man auch keinem verübeln, denn das Ganze ist am Anfang echt nicht leicht zu verstehen und verlangt schon mehr als eine Stunde an Zeit.
Der Umgang mit Bitcoin ist zwar schon einfacher geworden, aber die folgenden Dinge sind für die meisten Menschen, doch schon etwas zu komplex:
Image
Machen wir uns nichts vor: Wenn wir 100 Leute auf der Straße nach ihrer Meinung zu Bitcoin fragen, bekommen wir von 90 Leuten diese fünf Meinungen zu Bitcoin:
Einige dieser Ansichten enthalten möglicherweise einen Kern Wahrheit, doch viele sind durch jahrelange Verbreitung von Vorurteilen und teils falschen Informationen in den Medien stark negativ verzerrt.
Auch die zwielichtigen Gestalten aus Dubai mit ihrer Hurensohnfrisur, die schnellen Reichtum versprechen, tragen sicherlich zu diesem negativen Bild bei. Was bleibt also am Ende des Tages? Das Image von Bitcoin ist aktuell nicht positiv, was dazu führt, dass sich weniger Menschen ernsthaft damit auseinandersetzen.
Risiko Bitcoins zu verlieren
Das Risiko, seine Bitcoins zu verlieren, ist real und sollte nicht unterschätzt werden. Viele Menschen denken, dass sie einfach ein paar Coins kaufen und damit fertig sind. Doch die wahre Herausforderung beginnt mit der sicheren Verwahrung. Ohne ausreichendes Wissen über Wallets und Sicherheitsmaßnahmen kann man schnell den Zugang zu seinen Coins verlieren. Ob durch Hardware-Defekte, verlorene Passwörter oder Phishing-Angriffe – die Gefahren sind vielfältig.
Wer sich nicht mit der eigenen Verwahrung seiner Bitcoins beschäftigt oder damit nachlässig umgeht, wird seine Coins definitiv verlieren und jammert dann später auf Reddit herum. Sieht man da wöchentlich. Das ist zwar nicht per se die Schuld von Bitcoin, aber ein Übel, das an Bitcoin klebt.
Volatilität
Die Volatilität bei Bitcoin beschreibt die starken Preisschwankungen innerhalb kurzer Zeiträume, beeinflusst durch Spekulation, Nachrichten und Marktpsychologie. Diese Schwankungen bieten sowohl Chancen für hohe Gewinne als auch Risiken für erhebliche Verluste. Ein Tag kann Bitcoin von 30.000 auf 35.000 € steigen lassen, nur um am nächsten Tag auf 28.000 € zu fallen.
Das Risiko, in Bitcoin zu investieren und diese extreme Volatilität nicht zu verkraften, ist hoch. Viele lassen sich von steigenden Kursen blenden und kaufen in der Hoffnung auf schnelle Gewinne. Doch dann kommt die Realität:
Der Kurs schwankt massiv. Wer nicht die Nerven hat, hält das nicht aus und verkauft bei sinkenden Kursen aus Angst wieder. Was folgt, sind langfristige Verluste und Frust.
Investieren ist laut Warren Buffett eine Fähigkeit, die man erlernen und trainieren muss. Macht man das nicht, zahlt man auf lange Sicht den Preis für die eigene Inkompetenz.
Zwar kann man Bitcoin auch nicht die Unfähigkeit der Investoren anlasten, aber die Volatilität als eine Gefahr gehört halt zu Bitcoin auch irgendwie dazu.
Kosten
Jede Transaktion, die von Bitcoin verarbeitet wird, kostet Geld. Zwar ist es theoretisch möglich eine Transaktion ohne Gebühren bei Bitcoin zu tätigen, in der Praxis wartet diese Transaktion dann aber bis in alle Ewigkeit auf ihrer Ausführung, weil die Überweisungen mit den höchsten Gebühren bevorzugt werden.
Ein Problem in unsere heutigen Zeit ist, dass sich die meisten Menschen daran gewöhnt haben, dass eine Überweisung (sei es Bitcoin, Euro oder was auch immer) kostenlos ist.
Auch eine SEPA-Überweisung verursacht Gebühren, die die Bank übernimmt und jeder auch heute so erwartet.
Es wird aber keine kostenlosen Bitcoin-Überweisungen geben und die Kosten werden vermutlich auch eher steigen als sinken. Als Zahlungsmittel ist das ein Problem, was auch meiner Meinung nach einer der Gründe dafür ist, dass sich Bitcoin nie als Zahlungsmittel im Alltag etabliert hat. Wenn ich einem Kumpel umgerechnet 20 € schicke, dann bestimmt nicht, mit 3 € Gebühren für diese Transaktion.
Mir ist klar, dass es Bitcoin Lightning gibt. Damit kannst du schnelle und günstige Bitcoin-Zahlungen tätigen. Doch auch selbst Lightning konnte sich bisher nicht wirklich bei der breiten Masse durchsetzen.
Vorteile von Bitcoin
Hohe Gewinne
Ich habe das Gefühl, dass niemand diesen Vorteil von Bitcoin so offen und ehrlich einfach mal nennt und eher die scheinheiligen anderen Vorteile von Bitcoin auflistet. Machen wir uns nichts vor: Der große Erfolg und die Bekanntheit von Bitcoin liegen in der Tatsache begründet, dass man mit Bitcoin in der Vergangenheit enorme Gewinne machen konnte.
Die Zeiten, in denen deine 100 € in Bitcoin dich zum Millionär machen, sind zwar schon lange vorbei, aber man kann immer noch ganz kräftig Gewinne machen. Vorausgesetzt, man bringt die Geduld und die Nerven mit. Ob sich der Aufwärtstrend von Bitcoin über die nächsten Jahrzehnte fortsetzen wird, kann jedoch niemand mit Gewissheit sagen.
Echtes digitales Eigentum
Bitcoin ermöglicht es als erstes digitales Gut überhaupt, dass man tatsächlich im Besitz davon sein kann. Das war vorher nur mit physischen Gegenständen möglich, etwa wenn man eine Goldmünze oder eine wertvolle Gitarre gekauft hat.
Vor Bitcoin gab es ein Dilemma mit digitalen Gütern. Wenn man etwas digitalisiert hatte, etwa ein Musikalbum, konnte man es ohne Aufwand so oft kopieren, wie man wollte. So entstand mit der zunehmenden Beliebtheit von Computern und dem Internet der Begriff der „Raubkopie“, da Musik, Filme, Software, Bilder etc. einfach beliebig kopiert und getauscht werden konnten.
Wollte man etwas Digitales nicht einfach kopierbar machen, musste immer eine höhere Instanz dazwischengeschaltet werden. So ist etwa unser Geld bereits digitalisiert, aber Banken führen über unsere Bestände Buch. Wir können Geld nicht auf dem Computer speichern und digital über das Internet an jemanden schicken, ohne dass eine Bank oder ein Unternehmen wie PayPal, Klarna oder Stripe dazwischensteht.
Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, an dem Bitcoin geschaffen wurde. Mit Bitcoin kann man jetzt digitale Güter ohne Mittelsmänner von einer Person zur anderen schicken und kann immer sicher sein, dass niemand einfach Bitcoins kopiert hat.
Sicherheit
Auch wenn man häufig von Hacks im Kryptobereich und bei Bitcoin hört, hat das nichts mit dem Bitcoin-Netzwerk selbst zu tun. Ja, Nutzer können den Zugang zu ihren Coins verlieren oder auf Betrüger hereinfallen, die ihre Coins stehlen. Das Netzwerk von Bitcoin und die Blockchain sind allerdings unglaublich sicher.
So sicher, dass es bis heute keinem Geheimdienst, keiner Hackergruppe und keinem Schurkenstaat gelungen ist, das Bitcoin-Netzwerk erfolgreich anzugreifen und sich selbst zu bereichern.
Die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks beruht auf dem Prinzip der Blockchain und einer dezentralen Struktur, die es extrem schwierig macht, das System zu manipulieren. So schwierig, dass man theoretisch einige Milliarden an Kosten hätte, aber in der Praxis, selbst mit unendlichen finanziellen Mitteln, nicht genug Geräte für einen erfolgreichen Angriff beschaffen könnte.
Internationales Zahlungsmittel
Ein nerviger Umstand ist, dass es weltweit so unendlich viele Währungen gibt. Das führt bei internationalen Überweisungen zu hohen Kosten, da immer jemand eine Währung gegen die andere umtauschen muss und sich dafür auch kräftig entlohnen lässt.
Bitcoin hingegen muss in nichts anderes getauscht werden und kann direkt über alle möglichen Ländergrenzen mithilfe des Internets verschickt werden. Zwar sind Transaktionen bei Bitcoin auch mit Kosten verbunden, aber im Vergleich zu internationalen Überweisungen sind diese vergleichsweise gering. Vor allem in Relation zur überwiesenen Menge punktet Bitcoin, da die Transaktionskosten unabhängig davon sind, wie viele Bitcoins verschickt werden.
Theoretisch kann man für 3 € Gebühren 3 Millionen Euro in Bitcoins verschicken. Versuche diesen Betrag mal einfach so zu überweisen.
Inflationsschutz
Häufig missverstanden, ist der Schutz gegen Inflation bei Bitcoin. Niemand hat behauptet, dass man durch Bitcoin nicht von der Erhöhung des Verbraucherpreisindexes geschützt ist. Das ist die Veränderung der Preise von bestimmten Konsumgütern zum Vorjahr und wird als Inflation bezeichnet.
Dass Güter des täglichen Bedarfs im Preis steigen, kann auch Bitcoin nicht verhindern. Wenn die Euro-Währung an Wert verliert, weil immer mehr davon in Umlauf gebracht wird, kann Bitcoin diesen Prozess nicht aufhalten.
Allerdings kann man mit Bitcoin sicher sein, dass die Währung Bitcoin selbst nicht bis zur Wertlosigkeit inflationiert wird. Es wird maximal etwa 21 Millionen Bitcoins geben, die allmählich und kontrolliert beim Bitcoin-Mining in Umlauf gebracht werden. So hat Bitcoin eine mathematisch festgelegte Inflation, die mit der Zeit immer geringer wird und schließlich auf 0 geht. Langfristig ist Bitcoin damit sogar deflationär.
Bitcoin bietet somit einen Schutz vor der Entwertung der eigenen Ersparnisse, indem es eine feste Obergrenze für die Gesamtmenge der im Umlauf befindlichen Bitcoins gibt. Während der Euro und andere Fiat-Währungen durch „unkontrolliertes Drucken“ an Wert verlieren, bleibt Bitcoin aufgrund seiner festen Geldmenge stabil.
Weitere Eigenschaften von Bitcoin
Hier sind einige Eigenschaften von Bitcoin, die für mich weder Vor- noch Nachteile sind:
Hoher Stromverbrauch
Der Klassiker, wenn wieder mal negativ über Bitcoin berichtet werden soll. Dabei wird der Stromverbrauch von Bitcoin als schlecht bewertet und in Relation zum Verbrauch einzelner Staaten gestellt. Ja, es stimmt: Bitcoin bzw. das Mining bei Bitcoin verschlingt riesige Mengen an Strom.
Diese Betrachtung ist aber viel zu einseitig, da allein ein hoher Verbrauch weder gut noch schlecht ist. Es stehen ja die Fragen im Raum, aus welcher Quelle der verbrauchte Strom kommt und ob der Verbraucht gerechtfertigt ist oder nicht.
Seit wann stellt man den Stromverbrauch in Relation zu etwas, was man überhaupt nicht vergleichen kann, und zieht daraus ein Urteil? Ich kann mich nicht erinnern, dass der globale Stromverbrauch einer Währung berechnet und infrage gestellt wurde. Das wäre nämlich ein angebrachter Vergleich.
Woher die Stromquelle vom Bitcoin-Mining stammt, wird nämlich häufig nicht erwähnt und das ist oft auch nur schwer zu beantworten und zu beweisen.
Ob die Errungenschaften von Bitcoin eine schlechte Ökobilanz rechtfertigen können, lässt sich sicher diskutieren. Es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben. Bitcoin bietet eine dezentrale, sichere und zensurresistente Währung, die weltweit genutzt werden kann. Wer das uninteressant und unnötig findet, sieht auch keinen Nutzen in Bitcoin und dem damit verbundenen Stromverbrauch.
Für Menschen, die die Dezentralität und Zensurresistenz als wichtig erachten, sieht das jedoch komplett anders aus. Daher würde ich den Stromverbrauch nicht pauschal als Nachteil von Bitcoin erklären.
Pseudonym
Schicke ich Bitcoins an eine Adresse von dir, können du und auch alle anderen Menschen in der Blockchain sehen, von welcher Adresse diese Bitcoins zu dir geschickt wurden. Dort kann man auch alle Ein- und Ausgänge auf dieser Adresse einsehen. Das ist so ähnlich, als würde man eine IBAN auf einer Website eingeben und alle Kontobewegungen dieses Kontos öffentlich einsehen können.
Da aber niemand von der Bitcoin-Adresse so leicht auf die Person dahinter schließen kann, wird Bitcoin als pseudonym bezeichnet. Jeder User versteckt sich sozusagen hinter einer Adresse. Ist aber klar, wem die Adresse gehört, steht man quasi komplett nackt da. Jeder kann die gesamte Historie einsehen.
Da das weder gut noch schlecht ist, gehört das als Eigenschaft zu Bitcoin, die meiner Meinung nach weder als Vorteil noch als Nachteil zu sehen ist. Viele denken, dass es ein Vorteil wäre, wenn sie nicht mit ihren Klarnamen Bitcoin-Überweisungen tätigen. Aber spätestens, wenn ihnen bewusst wird, dass man die Adresse über verschiedene Börsen bis hin zu ihrem Namen verfolgen kann, kann das schnell ein Nachteil werden.
Quellen
- Tikhomirov, S., Moreno-Sanchez, P., & Maffei, M. (2020). A quantitative analysis of security, anonymity and scalability for the lightning network. European Symposium on Security and Privacy Workshops (EuroS&PW) (pp. 387-396). IEEE. 📃 DOI: 10.1109/EuroSPW51379.2020.00059

Über den Autor
Hi, ich bin David und schreibe hier über meine eigenen Erfahrungen zum Thema Krypto, Blockchain und Bitcoin. Mehr erfährst du auf der „Über uns“-Seite.

